I'm A Fan Pt. II • fanfictions

Meine Lieben,
Ihr kennt mich ja. Mich und meine Fandoms. Für alle, die das nicht tun, hier noch einmal die Vorgeschichte und meine kleine Erklärung zu allem, was mit Fandom zu tun hat.
Heute soll’s um Fanfictions gehen. Ganz vorneweg: Das Image von Fanfictions ist schlecht. Geradezu unterirdisch schlecht. Woran das liegt? An dreizehnjährigen Mädchen mit voll freshen Autorenskills, die ihre vor Rechtschreibfehlern strotzenden One-Direction-Stories mit uns teilen müssen, in denen grundsätzlich immer sie selbst die Hauptrolle spielen und im Sturm von einem der Bandmitgliedern erobert werden. An der Annahme, dass Fanfictions grundsätzlich nur über Boybands und Animes geschrieben werden und außerdem nur deswegen kostenlos verfügbar sind, weil die Autoren nicht fähig sind, ein echtes Buch zu schreiben. Und nicht zuletzt an Leuten, die mit ihren grottigen Fanfictions auch noch berümt werden – ich habe keine Ahnung, wie es kommt, dass die prominentesten Beispiele für Fanfictions derart schlecht geschrieben sind. Ja, da braucht ihr gar nicht so empört zu schauen. Ich habe die ganze, ich wiederhole, die GANZE After Passion-Reihe von Anna Todd gelesen. Ich habe immerhin den ersten Band und den Film von Fifty Shades of Grey ausgehalten. Und wie die meisten Menschen, die viel und gerne Hochwertiges lesen, bin ich entsetzt von solchen Büchern – das hat rein gar nichts mit Fanfictions zu tun, sondern einzig und allein mit dem schlechten Schreibstil der Autorinnen. 
Und die Fanfictionszene, die ich kenne, ist eine andere. Ich lese hauptsächlich Fanfictions zu den Marvel-Filmen und zu Harry Potter. Kennt man als zwei der bekanntesten Fandoms, mit hunderttausenden von Fanfictions im Netz. Da stellt sich dem Neuling doch sofort als Erstes die Frage: Warum Fanfictions schreiben? Hat der Autor keine Ideen für eine eigenen Story? Man muss gar nicht so viele Fanfictions lesen, um die drei häufigsten Gründe für Fanfic zu kennen. Erstens: Der Plot lässt erzählerische Lücken, die man für die grundlegende Story eigentlich nicht braucht – das Leben von Nebencharakteren zum Beispiel. Und die gibt es in jedem Film, jedem Roman, jeder Serie. Wie sind zum Beispiel die Weasley-Zwillinge auf die Idee gekommen, Scherzartikel zu erfinden? Dann gibt es den Fanfiction-Autor, der gerne eine Alternative zum Plot des Originals ausprobieren möchte. Hätte Hermine nicht besser zu Harry gepasst? Oder gar zu Draco Malfoy? Und schlussendlich ist natürlich eine Fortsetzung des Lieblingswerks nie verkehrt. Wie geht es zum Beispiel Harrys Kindern in Hogwarts?


Aber lasst uns jetzt vom Schreiben zum Lesen kommen – als Erstes muss man natürlich Fanfictions zum Lesen finden. Die beiden größten internationalen Portale sind Fanfiction.net und AO3, dort findet man Millionen von verschiedenen Stories. Beide Portale haben ihre Vorteile: FF.net bietet eine offizielle App, mit der ihr Fanfics auch auf dem Smartphone lesen könnt, bei AO3 könnt ihr dagegen die Geschichten in verschiedenen Formaten herunterladen und so zum Beispiel auf dem Kindle lesen. Sortiert werden die Stories immer gleich: nach Kategorie wie Film, Buch, Serie oder Game, nach dem Originalwerk, auf dem sie basieren, nach den Protagonisten der Fanfiction und nach dem PG-Rating – hier gibt es die Stufen K, K+, T und M, wobei M für 18+ steht. Merkt euch das gut, vor allem das Rating, das könnte wichtig werden. 😉

Um Fanfictions zu lesen, sollte man ein paar grundlegende Regeln kennen. Ansonsten könnte es sein, dass das Universum der Fanfictions zu Anfang ein bisschen verstörend sein. Aber mit diesen fünf Punkten seid ihr vorgewarnt:

1. Lest Fanfictions auf Englisch. Warum? Das ist ganz einfach. Der Prozentsatz an schlechten Fanfics ist immer und überall ungefähr gleich. Da aber die Menge an englischen Fanfictions riesig ist, habt ihr hier auch die größere Chance, schnell eine gute zu eurem gewünschten Thema oder Pairing zu finden. Und auch wenn ihr eigentlich keine englischen Bücher lest – es gibt auch Fanfictions mit einfachem Vokabular und nach vier Wochen merkt ihr den Unterschied schon gar nicht mehr. Versprochen!
2. Fanfiction-Autoren haben die verrücktesten Ideen, was die Themen ihrer Geschichten angeht. Also, klar gibt es Sachen wie die Liebesgeschichte zwischen Hermine Granger und Draco Malfoy, die man in 10000 Varianten findet, weil sie einfach viel Stoff bietet und alle sie gerne lesen. Und dann gibt es Stories, in denen sich Loki in einen Stein verliebt. Oder erotische Fanfictions, deren Hauptrolle der Sprechende Hut spielt. Ihr seht, was ich meine?
3. Zu meinem nächsten Hinweis gibt es sogar eine Internetregel – und zwar die Rule #34: „If it exists, there is porn on it.“ Und die gilt bei Fanfictions ganz besonders. Vermutlich drei Viertel aller Fanfictions enthalten sexuelle Inhalte, vor allem, wenn das Originalwerk keine hat (Harry Potter zum Beispiel). Und die sind oft alles andere als romantisiert. Wenn ihr keine Lust auf erotische Szenen oder komplett erotische Stories hat: Rating beachten und alles, was ein M enthält, lieber links liegen lassen.
4. Ganz viele Fanfic-Autoren schreiben einfach drauflos und haben weder jemand, der Korrektur liest, noch sind sie selbst Rechtschreibgenies. Ergo: da draußen existieren unglaublich viele Fanfictions, bei denen mein innerer Monk schon nach 30 Zeilen aufhört zu lesen und weinen will, weil die Story – die vielleicht ganz gut sein könnte – gespickt mit Fehlern ist. Sehr gefährlich. Und leider ein Problem, dem man nicht mit der erweiterten Suche aus dem Weg gehen kann. Aber wenn die Fanfic wirklich toll sein sollte: kontaktiert doch den Autor und fragt ihn, ob er einen Beta-Leser haben möchte 😉
5. Trotz allem: egal, was man sucht, man findet immer eine gute Fanfiction. Egal, wie skurril eure aktuellen OTPs sind. Egal, welcher Fangemeinde ihr angehört. Es gibt zu allem Fanfics und es gibt auch zu allem gute Fanfics.

Ja ja, ich kann eure ratlosen Gesichter schon sehen, wenn ihr zum ersten Mal so eine Fanfiction-Beschreibung durchlest. Das reinste Fanfictionsfachchinesisch. Also gibt’s jetzt noch etwas, was ihr dringend braucht: einen Einblick in die Fanfiction-Vokabeln. Weitere Erklärungen für Interessierte und Ratlose findet ihr hier bei Angelfire.

Fluff: alles, was schön, süß oder romantisch ist. Geschichten, die man mit Fluff labelt, haben keine Angst- oder Panikszenen, keine dunklen Hintergründe. Aber oft auch keinen sonderlich ausgearbeiteten Plot. Also eher was für zwischendurch – oder für Tage, an denen die reale Welt schon viel zu hässlich ist.

Oneshot: Eine einzelne, in sich abgeschlossene Geschichte – also Stories mit einem einzigen Kapitel, die auch oft nur eine Szene enthalten. Das Kapitel kann allerdings jede belieblige Länge haben.

Lemons: Damit wird eine Fanfiction mit explizitem erotischem Inhalt bezeichnet. Wer so etwas also nicht lesen möchte: Augen auf beim Rating und bei diesem Filterwort. Die abgeschwächte, etwas weniger grafische Version davon nennt sich Lime.


AU: Eine sehr beliebte Abkürzung, hinter der die Wörter „Alternate Universe“ stehen. Dabei wird das ursprüngliche Universum des Originalwerks abgeändert. So gibt’s Geschichten mit einem (Achtung, Spoiler) sehr lebendigem Fred oder gar welche, in denen Harry Potter das Böse verkörpert und nicht umgekehrt.

Crossover: Ein Fanfiction-Genre, das manchmal etwas gewöhnungsbedürftig wirken kann. Hier werden Inhalte aus zwei verschiedenen Originalwerken kombiniert. Spock in Hogwarts? Jon Schnee und der Hulk auf gemeinsamen Abenteuern? Gar kein Problem.

OC: Original Character. Damit ist ein non-canon Charakter gemeint, also einer, der im Originalwerk nicht vorkommt und stattdessen vom Autor erfunden wurde.

Slash: Das Wort an sich steht für eine schwule Beziehung – findet man in der Beschreibung etwas wie „no slash“, dann kommt auch keine solche in der Fanfic vor. Das Zeichen selbst nutzt man aber für jegliche Art von Kombination, wenn man Liebesbeziehungen darstellen möchte: Hermione/Draco, Harry/Voldemort, Ginny/Parvati Patil. Damit könnt ihr die Stories nach euren liebsten Paaren durchsuchen.

Self-Insert: Diese Art von Story lässt wohl den Traum eines jeden Fans wahr werden. Hier schreibt man sich nämlich einen OC, der den Autor repräsentiert und der somit aktiv in die Geschichte eingreifen kann – damit ist der Hogwartsbrief in greifbarer Nähe.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch einige meiner liebsten Fanfictions zu Harry Potter und den Marvel-Filmen vorstellen – alle auf Englisch, aber für euch habe ich die Klappentexte übersetzt.

A Morbid Taste for Ice (Marvel: Darcy Lewis/Loki, rated M)
Darcy Lewis hätte sich nie im Leben vorstellen können, mit dem Donnergott und seinem soziopathischen Bruder in einem Trailer Home in der Wüste von New Mexico zu leben, aber sie macht eben das Beste draus. Bis eine schockgefrostete Leiche auf der Veranda auftaucht. Als Detektivin bricht sie zu einer Reise auf, die alles, was sie kennt und liebt, in Frage stellt.

Nine Lives (Marvel: Tony Stark/Loki, rated M)
Nach einem kleinen magischen Unfall findet sich Loki in der Form einer Katze wieder, und das im Avengers Tower – Tony fängt langsam an zu glauben, dass er eher ein Hundefreund ist.

A Fine Line (Harry Potter: Rose Weasley/Scorpius Malfoy, rated M)
Nur eine dünne Linie trennt Liebe und Hass… Jeder weiß, dass sich Rose Weasley und Scorpius Malfoy hassen. Dass sie sich sehr, sehr hassen.

Tears on the Balcony (Harry Potter: Lily Evans/James Potter, rated M)
Lily und James haben sich gehasst, seit ihre erste Begegnung gründlich schiefging. Es folgt ein überraschender Abschied am Ende des sechsten Jahres und die Ankündigung, dass die beiden als Schulsprecher zusammenarbeiten müssen – werden die Dinge ab sofort anders sein?

Ich könnte jetzt noch ewig weiterschwafeln, aber selbst ein Monsterpost wie dieser muss einmal zu einem Ende kommen. Wie ist das bei euch? Lest ihr Fanfictions oder habt es zumindest schon mal ausprobiert? Gute oder schlechte Erfahrungen? Ich bin gespannt auf eure Geschichten!

Stock Photos von pexels.com

2 Kommentare

  1. Oh ja. Das Image von Fanfictions ist echt schlecht, weil, wie du sagtest, manche Mädchen meinen, sie könnten schreiben und dann eine sehr niveauvolle Geschichte online stellen. Eigentlich total schade, da es sooo viele tolle Menschen gibt, die wirklich schreiben können (warum gibt es dann von denen kein Buch?!). 🙂
    Liebste Grüße, Elli

  2. Pingback: Fandoms | Top 5 Traumpaare & Fandom Printables zum Valentinstag | Deliriumskind

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