short story • Von sechs Richtigen und einer ganzen Menge Dankbarkeit.

Jetzt im Lotto gewinnen, was würdest du dann tun? Fragt sie, streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ich schließe kurz die Augen.

Jetzt sechs Richtige ankreuzen, den einen Schein haben. Ja, ich weiß genau, was ich dann tun würde. 

Die Freunde anrufen, die schon längst warten, und ihnen sagen – es dauert keinen Tag länger, lasst uns jetzt den Motorradführerschein machen, wer muss dann noch jahrelang sparen? Dann ist die Freiheit zum Greifen nah, Touren quer durch die Berge und schlussendlich am Meer ankommen, in Leder und Metall am Strand stehen und endlich, wirklich frei sein.

Eine Liste aus all den Orten machen, die seit Jahren im Kopf herumspuken und einfach mal den ersten Flug buchen, wen interessiert schon unbezahlter Urlaub, wenn man so viel sehen kann? Sri Lanka. New York City. Island. Singapur. Einmal die US-Ostküste runter. Mit dem Motorrad quer durch Frankreich. Warum, frage ich sie, warum denn nicht?

Die Karten für das nächste Konzert kaufen, music is life, vielleicht Twenty One Pilots oder Panic! At the Disco. Zusammen mit tausenden anderen singen – das war schon immer fantastisch.

Und dann dämmert mir etwas. Eine ganz simple Erkenntnis.

Was, wenn ich die sechs Richtigen schon längst habe? Vielleicht nicht im Lotto, aber im Leben.

 Na und, dann warten wir doch noch bis nächstes Jahr mit dem Führerschein und heizen solange mit der Motocross über verlassene Feldwege, auf denen wir die Einzigen inmitten von all der Natur sind. Wir. Zusammen.

Vielleicht muss New York oder Island noch ein bisschen warten, aber Malta und Paris und die Berge reichen doch auch erst mal, unvergessliche Momente mit Menschen, die man liebt, und im Hintergrund das Meer. Und selbst wenn wir nur bis ins Kino kommen statt ans Meer oder an den Chiemsee, das Gelächter bleibt das gleiche, und das Gefühl, dass uns nichts auseinanderbringen kann, auch.

Vielleicht kommen wir nie auf all die Konzerte, aber wir haben Festivaltickets und Campingstühle und ein Zelt und deswegen tragen wir die Bänder auch noch Monate später, weil vier Tage Wahnsinn auf dem Festival einfach noch viel besser ist. Und wenn wir nicht gerade mitsingen, mitjubeln, dann singen wir unsere eigenen Lieder, schreiben unsere eigene Geschichte weiter, und das zusammen.

Und ist es nicht das, was zählt? Die Menschen, die man liebt. Die Lieder, die man selber singt. Die Momente, die man am liebsten in Marmeladengläsern fangen möchte, und dann tut man es doch nicht, weil sie es nicht verdient haben, weggesperrt zu werden.

Die richtigen Momente sind wichtig. Nicht die richtigen Zahlen. Sage ich zu ihr und sie nickt zufrieden, als hätte sie nichts anderes erwartet.

Stock Photos: pexels.com

2 Kommentare

  1. Ein wirklich toller Post.. Ich hab auch überlergt was ich tun würde und musste bei einigen deiner Sachen ziemlich stark nicken, alá "Das würde ich auch".. Aber du hast Recht, dass man im Grunde vllt doch schon längst seine ganz persönlich 6 Richtigen im Leben hat.. Geld ist nicht alles und gerade, wenn es nicht so einfach zu bekommen ist, schätzt man das was man sich dann vom hart erarbeiteten Geld kauft noch viel viel mehr! 🙂
    Ganz liebe Grüße!

  2. So ein schöner Text! 🙂
    Und es stimmt einfach – viel wichtiger als die großen Ziele und Wünsche sind die kleinen Dinge, die man mit anderen Menschen zusammen erlebt und die einen einfach unbeschreiblich glücklich machen!

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