hello 2016

Hallo ihr Lieben,
das neue Jahr ist schon längst nicht mehr so neu, wie mir das gefallen würde. Ich sehe mich hier um auf dem Blog und sehe Dinge, die ich gar nicht sehen will. Das Design ist längst überholt, ich hätte viel lieber minimalistisches Grau und Schwarz als üppiges Grün. Meine Kamera liegt im Schrank und setzt Staub an, Der letzte Post liegt über einen Monat zurück und wenn ich mir meine bisherigen Inhalte so ansehe, dann kann es so nicht weitergehen. 
Das alles hier hat sich verändert. 
Ich habe mich verändert. 
Ja, sicher stecke ich mitten in der Klausurenphase und verbringe jede freie Minute (na gut, vielleicht ein bisschen weniger) mit Lernen. Damit kann ich all das sicher rechtfertigen, ich habe keine Zeit für Fotoshootings und Bastelprojekte, für Social Media und SEO.

Aber brauche ich all das?

Brauchen wir all das? 

Ich habe die letzten Monate über mehr den außenstehenden Beobachter gespielt, hier in der Bloggerwelt. Klar habe ich kaum geschrieben und kommentiert, aber ich habe täglich mitgelesen. Und was sich in der Lifestyle-Blog-Szene, zu der man mich ja doch irgendwie zählen kann, abspielt, das ist nicht meine Welt. Das schlimmste Beispiel ist wohl Instagram – ein Netzwerk, ursprünglich gedacht zum Teilen von schönen Momenten. Stattdessen ist meine Timeline voll von promoteten Blogposts, die ich schon auf fünf anderen Kanälen gesehen habe und auch schon längst gelesen. Dazwischen Vierzehnjährige, die Werbung für irgendwelche Produkte machen oder sich inszenieren, damit sie sich bedeutend vorkommen können. Sogenannte Youtube-Stars, die ein Schminktutorial nach dem anderen posten und Instagram dazu nutzen, ihre Teenie-Fans weiter bei der Stange zu halten. Ich frage euch – findet ihr das nicht auch bedenklich?

Dasselbe hier im Bloggerkreis. Wer sich nicht vermarktet, der hat keine Chance und vermarkten heißt hier alles, was geht. Facebook, Twitter, Instagram sind Pflicht. SEO sowieso. Jedem Trend muss hinterhergerannt werden, wer das nicht tut, der ist ganz schnell weg vom Fenster. Kooperationen mit Firmen wollen doch alle haben, je namhafter die Firma, desto besser. Bis unsere Blogs nur noch aus Produkten und Social Media bestehen.

Ich könnte jetzt noch seitenlang darüber schreiben, was wir aus dem Bloggen gemacht habe, aber ich bin ja auch nicht besser als alle, die ich anprangere. Stattdessen frage ich mich etwas ganz anderes.

Sind wir nicht alle so viel mehr als das?

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich mit dem Bloggen anfing. Vor mittlerweile viereinhalb Jahren, ich war zwei Monate lang in Nizza und wollte das mit der Welt teilen. Aus meinen Erfahrungen in der Stadt an der Côte d’Azur wurde ein buntes Sammelsurium an Dingen, für die ich mich interessierte, über die ich nachdachte. Texte. Bilder. Musik. Gedanken. Projekte. Und irgendwann meldete sich diese kleine blaue Zahl in der Sidebar. Und die blieb beunruhigend niedrig. Also fing ich fast unbewusst damit an, mich an den Trends zu orientieren. Mich in den Strom einzuordnen.

Und versteht mich nicht falsch, ich liebe all das, worüber ich schreibe. Ich liebe Fotografieren, ich liebe Kochen, ich liebe DIYs. Aber dass das Kochen nur die halbe Arbeit ist – dass ich davor stundenlang an einem Farbkonzept feilen und danach das Gericht so fotogen wie möglich nach ebendiesem Konzept drapieren soll – nein. Ich bin kein Foodstylist, ich bin Student.

Außerdem ist das noch lange nicht alles. Ich habe seit Monaten kein DIY-Projekt mehr angefangen. Stattdessen zeichne und male ich. Ich schreibe Texte, feile an dem Plot für einen Roman. Ich koche nur, wenn gleich das Mittagessen auf dem Tisch stehen soll. Und klar gibt es auch mal so etwas wie Pulled Chicken oder Kichererbsencurry. Aber danach programmiere ich, erweitere meine Kenntnisse im Webdesign. Oder ich bin einfach so unterwegs und erlebe Alltagsgeschichten, über die ich eigentlich auch schreiben könnte.

Also frage ich mich – warum schreibe ich dann nicht darüber? Über die Entstehung meiner Protagonistin, über perfekte Formulierungen und Plot Bunnies? Über angefrorene Windschutzscheiben am Bahnhof, die comicfigurenähnliche Muster bilden und den Vergleich von Cola und Kaffee im Hörsaal?

Und jetzt merke ich, vielleicht habe ich doch noch einen Vorsatz für 2016 gefunden. Ihr müsst wissen, eigentlich hatte ich einen einzigen Vorsatz, und zwar den, keine Vorsätze zu haben, denn nichts nervt mich mehr als Pläne, die dann doch nicht funktionieren. Aber hier steht noch ein zweiter. Ich will in diesem Jahr mehr über das schreiben, was mich beschäftigt, und weniger über das, worüber sowieso alle schreiben.

Genau. Das ist es. Und ich freu mich drauf!

Wer noch Überzeugung bezüglich des Instagram-Wahns braucht, sollte sich diesen Artikel über die Künstlerin Amalia Ulman mal ansehen – ist das nicht unfassbar?

  1. Ich gebe dir in all den Sachen, die du oben geschrieben hast absolut recht. Auch mein Bloggen hat sich mit der Zeit verändert, ich hatte keine wirkliche Lust mehr auf das Schreiben, weil ich mich mit Themen besch#ftigt habe, die mich im Endeffekt nicht so sehr interessiert haben wie andere, über die ich wiederum aber nicht schreibe, da es ja nicht das ist, was andere lesen wollen, zumindest vermute ich das. Ich freue mich sehr auf die neuen Posts und finde deinen Neujahrsvorsatz ziemlich gut, vielleicht sollte ich mir auch mal so einen setzen 🙂
    Liebst, Emme ♥

  2. Hallo Marianne,
    ich bin mit dem bloggen angefangen um meine Sichtweisen zu teilen, meine Geschichten und einen medialen Platz für meinen Kopf zu schaffen (sagt der Name "The place for my head" ja auch schon) und ich schau zwar auch was Trend ist, guck mir an was andere machen, was ich selbst davon mitnehmen kann, wie ich erfolgreicher werden könnte.. aber dann merk ich auch oft, dass das dann nicht mehr ich selbst bin.. Ich denke mir, ich führe diesen Blog hauptsächlich für mich und so lange es mir gefällt wie er aussieht, was ich auf ihm teile etc. bleibt er auch genauso.. Natürlich freue ich mich über neue Leser und wenn die Zahl der Follower wächst, aber dann kann ich mir auch sicher sein, dass diese Leser mir folgen, weil Ihnen meine Ansichten gefallen, meine Geschichten und nicht, dass was ich poste, weil es jeder postet..
    Mir ist auch aufgefallen, dass mir eher die Blogs gefallen, die persönlicher sind.. Die auch von sich erzählen, die sozusagen eine Seele haben.. Und ich freu mich über deine Geschichten und das, was du zu sagen hast! 🙂
    Ganz liebe Grüße aus dem Norden,
    Nadja ♥

  3. Ja, ich habe die Liga auch wahnsinnig vermisst, aber nach Boatengs Verletzung ist die Motivation dann doch wieder beträchtlich gesunken.

    Dein Text tut mir unheimlich gut. Mir ist auch aufgefallen wie unglaublich sich die Bloggerwelt gewandelt hat. Durch Kooperationen und Co. hat man das Gefühl man müsste alles tun, um eben diese zu bekommen und seine Followerzahlen zu steigern. Ich habe darauf eigentlich nie viel Wert gelegt, bis ich einige Bloggern bei Pinterest gefolgt bin. Täglich hatte ich dann SEO-Tipps und vieles mehr in meinem Dashboard. Ich habe vieles davon gelesen und mache es immer noch. Es sind wirklich einige hilfreiche Tipps dabei, die einem Blog zu mehr Qualität (und die strebt man ja nun doch irgendwie an) verhelfen, aber einiges ist dann doch nur noch auf Follower- bzw. Gewinnmaximierung aus. Ich kann genau verstehen wie schwer es ist sich als Blogger treu zu bleiben. Eigentlich habe ich genau aus diesem Grund den "Football Friday" eingeführt. Es passt eigentlich so überhaupt nicht in den Rahmen eines Lifestyle und Fotoblogs, aber es ist etwas, das mich persönlich wahnsinnig interessiert und mit dem ich viel Zeit verbringe. Wer es nicht lesen will, muss meinen Blog dann einfach an einem Freitag meiden. Ich versuche gerade herauszufinden was mir mich beschäftigt und was mich wirklich so interessiert, dass ich darüber bloggen möchte.

    Wegen dem Termin können wir uns ja mal per Twitter auseinandersetzten. Bis Mitte Mai stecke ich jetzt erstmal in den Abiturprüfungen und du hast ja bestimmt auch einige Verpflichtungen durch dein Studium.

    Anneke ♥

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