Art

Hexenwerk? • Drawing for Beginners

Griass di!

Hallo, meine Lieben,

ich habe viel gelernt in meinem ersten Semester, das kann ich euch verraten. Ich kann jetzt programmieren – was an sich schon ein riesiger Fortschritt ist. Ich kann mit Wörtern wie Multithreads, Hoare-Kalkül und Singleton-Pattern um mich werfen und kann (in den meisten Fällen) sogar erklären, was das sein soll.
Was mir aber am allermeisten Neues gezeigt hat, ist mein Anwendungsfach. Ich habe euch davon erzählt, vor Ewigkeiten, weil ich eine Mappe zur Bewerbung abgeben musste – und jetzt habe ich mein erstes Semester Mediengestaltung hinter mir. Zwei Stunden Zeichnen pro Woche und drei Stunden Malerei. Ich muss zugeben, anfangs war ich sehr skeptisch. Ich hatte Mediengestaltung eigentlich nur deswegen gewählt, weil ab dem 3. Semester Photoshop, Illustrator & Co. die zentralen Inhalte sind – also alles, womit ich gerne rumbastle. Selber zeichnen und malen – ganz ohne PC? Nö, lieber nicht. Dachte ich. Falsch gedacht. 
Genug der Vorgeschichte – ich möchte eigentlich mit euch teilen, was mir diese Kurse gebracht haben. Und da ich festgestellt habe, dass ein einziger Post über Zeichnen und Malen eher zu einem Roman werden würde, beschränke ich mich heute auf das Zeichnen. (Für alle, die keine blutigen Anfänger sind, ist dieser Post vermutlich das reine Grauen – sorry, Leute, ich bin nun mal keine Fachfrau!) 
Am Anfang Steht der Stift
Zuallererst stellt sich die Frage nach dem Material. Wer schon einmal in einem Kunstgroßhandel war, der weiß, wie riesig die Auswahl ist. Und klar kann man mal alles durchprobieren, aber ich denke, ein paar Basics gehören in jeden Zeichenkasten. Ich persönlich arbeite mit folgenden Dingen:

Bleistifte von Faber Castell in folgenden Härtegraden: 2B, 6B, 7B, 8B | PITT Graphitstifte von Faber Castell in 6B und 9B | Faber Castell Minenbleistift, Stärke 0.5 mit Minen in B und 2B | PITT Artist Pens von Faber Castell: Vier schwarze Fineliner in verschiedenen Stärken | PITT Kohlestifte von Faber Castell in Medium und Soft | Skizzenblöcke: 30x30cm, DinA5 | boesner Knetradiergummi (nicht auf dem Foto)

Ihr wisst vermutlich – Zeichenmaterial ist teuer. Natürlich ist es jetzt Geschmackssache, wie viel Material man braucht und wie viel man auch dafür ausgeben möchte. Es hängt auch davon ab, was ihr vorhabt – für reine Kohlezeichnungen würde ich euch Kohle empfehlen, einen oder mehrere Estompen, also Pappstifte zum Verwischen, und Fixativ. Für Konzeptzeichnungen, also Vorzeichnungen für Comics, braucht ihr vielleicht nur die Fineliner und einen harten Bleistift. Ihr solltet euch also Gedanken machen, was ihr am liebsten anfangen möchtet – oder einfach mal die Basics kaufen, wenn ihr noch keine Pläne habt. Hier würde ich euch auf jeden Fall zwei bis drei weiche Bleistifte (2B, 4B und 8B sind nie verkehrt) empfehlen, einen guten Radiergummi, vielleicht einen Fineliner und – wichtig! – einen ordentlichen Spitzer. Was den Skizzenblock betrifft, sollte es auf jeden Fall dickes Papier (mit z.B. 170 g/m²) sein, zeichnen auf Druckerpapier ist ätzend. Die Größe sei euch überlassen – und dann kann es auch schon losgehen.

Kritzel kritzel… zurück in den Kindergarten

Ich zeichne unglaublich schlecht. Wirklich wahr. Ich habe allein drei
Stunden gebraucht, um die Kreuzschraffur zu lernen und wenn ich von
einem Foto abzeichnen soll, verzweifle ich, weil ich keinen blassen
Schimmer habe, wo ich schattieren muss und wie stark. In meinem Seminar habe ich gelernt, wie man das ändert – nämlich, indem man kritzelt.

Ja, Kritzeln. Ich mache keine Witze. Aber das ist natürlich nicht alles, wir sind ja nicht mehr im Kindergarten. Für die ersten Kritzelübungen braucht ihr außer Bleistift und Papier nur ein Lineal zur Begrenzung. Das legt ihr auf euer Blatt und fangt dann an zu kritzeln – und zwar wirklich! Keine kreisförmigen Bewegungen, keine Schraffur. Nur Zickzack, ganz wirr. Und dann versucht mal zu schattieren – dunkel am Lineal und zur Blattmitte hin auslaufen lassen. Oder andere Formen, wie ihr sie unten im vierten Bild seht. Ich persönlich habe in meinem Zeichenkurs über zehn solcher Übungen gemacht, man bekommt einfach mit der Zeit ein Gefühl für die Stifte und die Techniken. Mal zur Abwandlung: andere Stifte sind immer gut. Nicht nur die verschiedenen Bleistifte, nehmt doch mal einen Kuli – das ist gleich ganz anders. Mit den Kritzelübungen lernt ihr automatisch die Kritzelschraffur – eine von vielen Möglichkeiten, wie man Schatten erzeugen kann und mit einer der besten.

Nach der Kritzelschraffur ist die zweite Schraffiermethode dran, die wir Anfänger uns vornehmen: die Kreuzschraffur. Prinzipiell auch nicht sonderlich schwierig: statt einfach nur Linien in eine Richtung zu schraffieren, legt ihr zwei verschiedene Linienrichtungen übereinander – dadurch entsteht ein Karomuster. Hier empfiehlt sich die Landschaftsübung aus dem dritten Bild: mit waagrechten Wellen könnt ihr ein Hügelmuster auf dem Papier andeuten. Dann versucht mal, die verschiedenen Hügel mit der Kreuzschraffur zu schattieren – oben dunkel, unten hell oder umgekehrt.  Auch hier gilt: Übung macht den Meister! Feine Kreuzschraffuren mit realistischen Mustern kriegt man sicher nicht auf’s erste Mal hin – aber vielleicht auf’s fünfte. Weitere Infos zu Schraffiermethoden findet ihr hier ganz gut erklärt.

Zeichnen nach Vorlage: Google Bilder ist dein Freund

Wenn das Schraffieren und Schattieren schon so einigermaßen sitzt und euch die ganzen abstrakten Zeichenübungen so richtig auf die Nerven gehen, dann wird es wohl Zeit für erste eigene Zeichnungen. Es gibt Menschen, die sehen, wie man aus einem Foto eine gute Zeichnung macht. Es gibt Menschen, die komplexe Formen aus dem Gedächtnis zeichnen können. Ich verrate euch was. Ich bin kein solcher Mensch, und deshalb zeichne ich ab.

Ich suche mir Motive – also Zeichnungen, keine Fotos – auf deviantART oder gleich bei Google, die dem, was ich zeichnen möchte, sehr ähnlich sind. Für mich ist es wichtig, dass die Auflösung hoch ist und ich einzelne Striche gut erkennen kann. Außerdem kann es hilfreich sein, wenn ihr mit demselben Material zeichnet wie euer Vorlagenzeichner – eine Kohlezeichnung mit Fineliner kopieren ist nicht gerade easy. Und dann geht es los. Ich drucke das Ding aus und fange an, abzumalen. In schwierigen Fällen, also zum Beispiel bei Portraits, pause ich sogar die Umrisslinien ab. Und erst, wenn ich das vorhandene Motiv zwei- bis dreimal abgezeichnet habe und schon ein Gefühl dafür habe, wie dieses Objekt oder dieser Mensch gezeichnet werden muss, dann entwerfe ich mein eigenes Motiv. Insgesamt stehen bei mir vor einer Zeichnung also oft vier oder mehr Entwürfe und Skizzen – aber es funktioniert! Mit jedem Motiv lerne ich, wie man bestimmte Dinge zeichnet und kann also behaupten, dass ich irgendwann auch von Fotos zeichnen kann.

Ja – das war es auch schon mit meinem Beginner’s Guide fürs Zeichnen – der für Malerei ist schon in Arbeit. Zum Schluss noch eins: Ich kenne mittlerweile so einige Leute, die gerne zeichnen lernen oder können würden und aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen. Mein Zeichenseminar hat mir gezeigt, wie man anfängt und ich für mich habe auch herausgefunden, wie man weitermachen kann . Dieser Post soll euch also ein paar Anregungen liefern – ich bin aber gespannt, wie ihr zeichnen lernt, gelernt habt oder übt. Falls ihr das denn tut. Ich bin immer für neue Vorschläge und Geschichten offen!

Habts es schee!
Marianne



 

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  1. Sehr interessanter Post! Zeichnen ist ja im Wesentlichen Übungssache. Man muss da so einen Blick entwickeln und das geht nur, wenn man das trainiert. Übrigens sehr schöne Arbeiten, die du hier zeigst!

  2. Richtig toller Post. Ich gehöre zu den Menschen, die du am Ende deines Posts erwähnst. Ich würde so unglaublich gerne zeichnen lernen, weiß aber gar nicht wirklich wie man anfängt. Ich werde definitiv nach dem ganzen Abistress mal die Übungen aus deinem Post ausprobieren. Denn zeichnen kann ich aktuell noch gar nicht 😀
    Anneke ♥

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